Luiza Alimi: Superstar der FCW-Damen

von Sebastian

Luiza Alimi ist schon seit ein paar Jahren regelmässige Torschützin bei den FC Wohlen Damen. Aber auch ihre beiden Brüder spielen im Verein, kennen alle Lieder der Fans und schwingen manchmal auch deren Fahnen. Sie werden natürlich stark von ihren Eltern unterstützt, die auch ein aktiver Teil des Vereins sind und immer wieder überall Aufgaben übernehmen und anzutreffen sind. Grund genug, die Familie Alimi einmal vorzustellen. Nach langem hin und her hat die Verabredung mit Luiza endlich geklappt und wir treffen uns knapp zwei Stunden vor Spielbeginn des letzten Derbys im Stadion Niedermatten.

Ich sehe dich mit deiner Familie öfters hier im Stadion. Wie ist die Verbindung der Alimis mit dem FC Wohlen?
Meine Mutter, Diturije ist ein Fan, sie kommt an jedes Spiel von mir und meinen beiden Brüder. Sie fährt uns auch zu jedem Training. Sie hat sich schon beklagt, dass ihr jetzt in der Winterpause langweilig sei, weil sie nichts zu tun habe. Mein Vater Fadil spielte bis letzten Sommer bei den Senioren, musste aber leider aufgrund eines Bandscheibenvorfalls damit aufhören. Zusätzlich hilft er an Spielen der 1. Mannschaft beim Grill. Meine beiden Brüder, Leonard und Leon, spielten bis zur U10 beim FC Wohlen, sind jetzt aber in der Fussballschule in Waltenschwil, die aber auch mit dem FC Wohlen zusammenarbeitet. Wir versuchen auch gegenseitig jeweils zu den Spielen zu gehen, wenn es der eigene Spielplan und auch die Arbeitszeiten zulassen. So wie ihr ja auch zu den meisten Spielen von uns Damen kommt. Das motiviert.

Wie bist du zum Fussball gekommen?
Mit 11 Jahren habe ich bei den B-Juniorinnen angefangen. Bereits nach zwei Jahren durfte ich zu den Damen, um auszuhelfen. Da hatte ich eine Doppellizenz. Erst als ich zu den Damen kam, wurde die Junorinnen-Abteilung etwas erweitert.

Wie gefällts dir denn bei den Damen?
Es ist echt super. Jede geht für jede. Der Zusammenhalt ist echt stark. Wir treffen uns auch abseits vom Training, auch mal um Wasserpfeife zu rauchen und chillen. Wir gehen auch ab und zu nach Zürich in den Ausgang gehen oder in einem Pub ein Bier trinken gehen.

Wie oft besuchst du andere Spiele von Teams der FC Wohlen-Familie?
Ich gehe eigentlich immer zu den Spielen vom zweiten Damenteam. Und auch manchmal zu den Juniorinnen. Wenn ich dafür Zeit habe, gehe ich auch an die Spiele meiner Brüder. Die schätzen das sehr und kommen jeweils auch zu meinen Spielen. Danach fragen sie mich manchmal nach einem Trick, den ich im Spiel gemacht habe. Bis jetzt bin ich noch ein Vorbild für sie, aber sie entwickeln sich rasant und Männer- beziehungsweise Bubenfussball wird ja auch stärker gefördert. Ich gönne ihnen das und freue mich für sie dass sie so gepusht werden. Ich möchte nur das beste für sie.

Und dein Trainer war schon immer Miguel «der Bulldozer» Ferraro?
Miguel kennt mich seit ich 11 bin und war seitdem durchgehend mein Trainer. Er hat meine ganze Pubertät miterlebt: Wie ich aus der Schule gekommen bin, eine Lehre angefangen hat und wie ich die Lehre jetzt beende. Er ist beinahe schon ein zweiter Vater für mich. Auch wenn es mal nicht läuft – ganz egal bei was – er ist für mich da. Überhaupt ist der FC sehr familiär, dass ist das geile daran. Deswegen bin ich auch zurückgekommen.

Du warst weg?!
Ich war jetzt etwa 2 Wochen bei Neuenhof. Ich ging mit ihnen an ein Turnier, anschliessend ins Training … Das Team da ist wirklich cool, jung, lustig. Aber es ist halt nicht wie in Wohlen. Wir Damen gehen jetzt fürs Trainingslager ins Tessin für ein paar Tage. Und dann nach Engelberg für ein paar Tage. Oder wenn wir ein Turnier haben wie zum Beispiel in Langenthal. Da reisen wir am Vortag an, übernachten da und spielen am nächsten Tag das Turnier. Das finde ich schön und deswegen gefällt es mir auch so bei Wohlen. Auch dass mittlerweile Fans an die Spiele kommen ist schön. Seitdem ihr, die Teilzeitfans und GS14, Werbung für unsere Spiele gemacht habt und mit Fahnen gekommen seid, kommen auch sonst mehr Leute zu den Spielen. Es hat sich nämlich rumgesprochen, dass die FCW Damen jetzt eigene Fans haben. Auch dass wir aufgestiegen sind und in der dritten Liga spielen, wissen jetzt doch einige.

Wie war das für dich als zum ersten Mal Fans an ein Spiel gekommen sind und euch angefeuert haben?
Ich kann mich noch gut erinnern, das ist aber schon ein paar Jahre her … Es war das Heimspiel gegen Aarburg, welches wir 14:0 gewonnen haben und ihr wart auf der Haupttribüne. Das war irgendwie imposant. Beim zweitletzten Match am 4. November gegen Fislisbach – den wir ja leider verloren haben – wart ihr auch da und habt Lärm gemacht. Das ist ein richtig schönes Gefühl, ich kann das gar nicht beschreiben. Es motiviert einfach mega. Ihr habt auch einen riesigen Respekt verdient, dass ihr euch die Zeit nehmt und nach Frick, Seengen, Döttingen und so weiter fahrt, um an ein Spiel von uns zu kommen. Es ist so schön, boah, ich bin echt richtig froh dass ich wieder in Wohlen bin! Ihr seid ja jetzt auch ein Teil der FC Wohlen Familie. Ihr macht ja dieses Turnier, an welches ihr uns eingeladen habt. Ich schätze das sehr. Nicht nur ich, es haben sich ziemlich viele angekündigt, um an eurem Turnier zu spielen. Cool auch dass so viele Teams aus unterschiedlichen Regionen kommen. Ich freue mich drauf und die GS14 nehmen wir auseinander! (lacht)

Frauenfussball kommt ja generell etwas zu kurz. Wie siehst du das beim FC Wohlen?
Wir werden halt teilweise schon auch belächelt. Auch Miguel hat schon Sprüche von Junioren-Trainern gehört, dass seine Jungs besser spielen als wir Frauen. Das ist schon auch verletzend. Bis letztes Jahr spielten wir ja auch mit den alten Trainingsdress der 1. Mannschaft. Eigentlich war es längst überfällig dass wir auch eigene Shirts haben. Miguel war dann so grosszügig und hat jeder Spielerin den Rückenaufdruck spendiert.

Was macht ihr an Spielen der 1. Mannschaft? Geht ihr zu deren Spielen?
Es werden immer Frauen von unserem Team angefragt für die Bedienung in der VIP-Lounge und im Sommer beim Getränkestand auf der Tribüne. Es komme etwas besser an, wenn junge Frauen die Getränke ausschenken. Die Arbeitseinsätze erfolgen jedoch alle auf freiwilliger Basis und es melden sich eigentlich immer genug. Das gehört halt auch dazu im Verein, man hilft einander. Man kennt sich ja auch, weil man immer wieder miteinander zu tun hat oder sich über den Weg läuft. Ausser den Stuff und die Spieler der 1. Mannschaft, die habe ich noch nicht kennen gelernt, da gibts aber auch die meisten Wechsel.

Was sagst du denn zu den Entwicklungen um die 1. Mannschaft und die AG?
Wenn es wirklich so steht wie teilweise kommuniziert, dann gibt es dringenden Handlungsbedarf. Als erstes bräuchte es wohl viel mehr Werbung, damit auch mehr Leute zu den Spielen kommen. Heute könnten wieder ein paar Leute mehr kommen, da Derby ist. Das ist immer etwas Spezielles. Und jedes verkaufte Ticket ist ergibt dringend benötigtes Geld. Hach, das wird schon gut kommen. Oh Wohle˚…

Möchtest du etwas sagen?
Hach, ich bin einfach so froh dass ich wieder da bin. Zum Glück habe ich mir vor dem Wechsel zu Neuenhof noch ein Hintertürchen offen gelassen und Serena Forgione von der Geschäftsstelle gebeten, meine Unterlagen noch nicht abzuschicken, da ich noch etwas Bedenkzeit brauche. Meine Spielerinnenunterlagen bleiben somit in Wohlen.

Für immer?
Ich glaube schon. Das war ein prägendes Erlebnis. Der Abschied im Team war schmerzhaft und deswegen aber auch so schön. Meine Mitspielerinnen wünschten mir alles Gute, unterstützten mich in meinem Schritt und verabschiedeten sich teilweise auch nochmal persönlich von mir. Das war dann auch der ausschlaggebende Punkt an den ich beschloss, dass diese Frauen nicht nur Mitspielerinnen auf dem Feld sind sondern eine Familie. Und ich diese nicht verlassen möchte.
Auch nicht wenn du lukrativere Angebote in den Schweizer Top-Ligen bekommst?
Hatte ich schon. Altstetten hat mich kürzlich angefragt, bei Aarau habe ich abgesagt, bei GC habe ich abgesagt, ich habe immer nein gesagt. In der Schweiz kann auch keine Spielerin wirklich Geld verdienen. Vor ein paar Jahren hätte ich gerne in Top-Clubs wie dem FC Zürich gespielt, aber mittlerweile denke ich da anders. Mir reichen zwei Trainings pro Woche und wenn ich mehr trainieren wollen würde, könnte ich zusätzlich noch mit den Damen 2 trainieren. Nein, beim FC Wohlen ist es perfekt, ich bin froh dass ich hier bin.

Schön, wir sind auch froh, dass du hier bleibst. Du wirst das Spiel heute mal mit uns verfolgen oder?
Ja klar, ich will auch einmal mit euch mitsingen und nicht immer nur zuhören, ich freue mich drauf!

Leider musste Luiza kurzfristig gehen, da ihre Tante ihre Hilfe benötigte. Sie hat jedoch versprochen, nach der Winterpause mit uns die 1. Mannschaft anzufeuern und auch mal Auswärts zu fahren, was ich allen FCW-Fans nur empfehlen kann. Wer sich selber mit Luzia Alimi unterhalten möchte, geht am besten in der Rückrunde an ein Spiel der FC Wohlen Damen 1. Die Spiele sind auch alle ziemlich in der Region .

Erschien im Teilzeitzine #3, Dezember 2017

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