Was ist Homophonie im Stadion?

«Schiri du Schwuchtel!», «Die Trikots des Gegner sehen ja voll schwul aus!» oder «Ich fick dich, du Homo!» sind alles Ausrufe, mit denen in vielen Fussballstadion leider gerechnet werden muss. Homophobie – also die Feindseligkeit gegen Schwule und Lesben – ist in vielen Kurven unhinterfragter Normalzustand. Während sich bei rassistischen Kommentaren zum Teil noch Widerstand regt, sind homophobe oder sexistische Diskriminierung bei vielen Personen kein Stein des Anstosses. Während sich Verbände, Vereine oder zum Teil auch Fans mehr oder weniger klar gegen Rassismus (und Gewalt) positionieren, werden andere Diskriminierungsformen, die im Stadion genau so präsent sind, häufig vergessen oder ignoriert. Homophobes Verhalten gibt es in verschiedenen Formen und Bereichen des Fussballsport, welche wir hier kurz beleuchten möchten …

Schwul als Schimpfwort

«Boah, ist das schwul!» oder «Spiel nicht wie eine Schwuchtel!» – als negatives Adjektiv dient eine homosexuelle Zuschreibung als Abwertung des vermeintlich männlichen Verhaltens. Dabei spielt es gar keine Rolle ob der Schiedsrichter / Spieler / Fan tatsächlich nicht ins klassisch vorherrschende Männlichkeitskonzept passt oder nicht. Mit der Betitelung als «schwul» oder «homo» soll er einfach beleidigt werden. Dass damit auch automatisch impliziert wird, dass Homosexualität etwas schlechtes oder minderwertiges ist, wird häufig gar nicht wahrgenommen. Dies ist jedoch keine Entschuldigung für ein diskriminierendes Verhalten. Emotionen gehören zum Fussball und auch ins Stadion, aber wer fluchen und schreien will, soll dies doch auf eine nicht diskriminierende Art und Weise tun.

Schwulsein als Spieler

Nach wie vor ist es schwer vorstellbar, dass sich ein aktiver Spieler zu seiner Homo- oder Bisexualität bekennt. Hingegen ist es sehr unwahrscheinlich, dass es keinen einzigen nicht heterosexuellen Profifussballer gibt. Für diese bedeutet das, ein Scheinleben zu führen. Tag für Tag ihre «Männlichkeit» erneut zu beweisen, homophobe Witze zu überhören und ja nicht aufzufallen. Das Problem dabei ist nicht nur die zum Teil fehlende Akzeptanz vieler Fans, sonder auch der Umgang von Mitspielern und Vereinen. Für viele Spieler ist es unvorstellbar mit einem schwulen Mitspieler die Kabine oder das Zimmer zu teilen und welcher Verein will sich dem ganzen Trubel aussetzten, der um Homosexualität noch immer gemacht wird?

Homphobie bei Verein & Verband

Aufgrund homophober Proteste seitens der Fans vom FC Dinamo Minsk wurde der davor neu eingestellte Marktring-Chef und Radiomoderator Valentin Sereda im Januar 2015 wieder entlassen. Grund war ein Appell mehrerer Fangruppen, in dem gefordert wurde, die «Schwuchtel» umgehend zu entlassen. Der Fussballclub solle sich auf traditionelle Werte besinnen.

Im Jahr 2010 forderten die Queer Football Fanclubs eine Stellungsnahme gegen Homophobie von Fifa-Präsident Blatter. Blatter hatte davor auf die Frage, wie er sich die Situation in Katar (Austragungsort der Männerfussball-WM 2022) für schwule und lesbische Fans vorstellt, die Antwort gegeben, Schwule mögen doch dort auf Sex verzichten.

Homophie hat sehr viele Facetten. Einen Teil davon können wir auch als Fans beeinflussen. Also versuchen wir gemeinsam ein Bewusstsein zu schaffen damit homophobe Sprüche und Witze keinen Platz mehr in der Niedermatten haben und hoffen dass der Songwriter Marcus Wiebusch recht behalten wird: «Und der Tag wird kommen an dem wir alle unsere Gläser heben / Durch die Decke schweben, mit ‚nem Toast den hochleben lassen / Auf den ersten, der‘s packt, den Mutigsten von allen / Der erste, der‘s schafft / Es wird der Tag sein, an dem wir die Liebe, die Freiheit und das Leben feiern / Jeder liebt den, den er will und der Rest bleibt still / Ein Tag, als hätte man gewonnen / Dieser Tag wird kommen!»

Wikipedia: Homophobie bezeichnet eine soziale, gegen Lesben und Schwule gerichtete Aversion bzw. Feindseligkeit. Homophobie wird in den Sozialwissenschaften zusammen mit Phänomenen wie Rassismus, Xenophobie oder Sexismus unter den Begriff «gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit» gefasst und ist demnach nicht krankhaft abnorm bedingt. Homophobes Verhalten steht teilweise in einem engen Zusammenhang zur Transphobie, da Außenstehende die vermeintliche Homosexualität einer Person häufig an deren Abweichung von als geschlechtstypisch geltenden Verhaltens- und Ausdrucksweisen zu erkennen glauben.

Mit diesem Flugblatt möchten wir – Teilzeitfans Wohlen – auf diskriminierendes und ausschliessendes Verhalten sensibilisieren. Auch für uns ist das Stadion ein Ort der Emotionen, welche von Freude bis Frust reichen. So haben wir auch kein Problem damit, wenn diese Emotionen rausgelassen werden – sondern begrüssen dies sogar. So soll es auch Platz zum fluchen, schimpfen oder polten geben, aber bitte so, dass niemand diskriminiert wird. Denn wir wünschen uns, dass sich alle Menschen unabhängig von kulturellen, religiösen, sexuellen, geschlechtlichen Merkmalen in der Niedermatten wohlfühlen können. Wer sich ausführlicher mit Diskriminierung auseinandersetzen möchte, darf uns gerne kontaktieren oder uns auf unserer Tribüne – dem  «Gate Süd» – besuchen kommen.
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