Was ist Sexismus im Stadion?

«Du spielst wie ein Mädchen!», «Schiri, du Fotze!» oder «Fussball ist einfach eine Männersache» haben wir schon viel zu oft in Fussballstadien gehört, als dass wir das noch als «ungewollte Ausrutscher» abtun können oder wollen. Sexismus ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig (Ungleichheiten bei der Lohnarbeit, sexistische Stereotypen in der Werbung, veraltete Rollenbilder, …) und macht somit auch nicht vor dem Fussballstadion halt. Vor allem da Fussball für einige immer noch eine der letzten Männerdomänen ist, wird über sexistische Diskriminierung gerne hinweggesehen oder gehört teilweise sogar schon zum «guten Ton». Wir wollen auch bei diesem Thema wieder drei verschiedene Bereiche hervorheben:

Frau-sein als Beleidigung

Genau wie bei homophoben Beleidigungen, dienen sexistische Beschimpfungen zur «Abwertung des Mann-seins» – wobei hier schon die Stereotypen von «Mann und Frau» hinterfragt werden müssen. Fussballspielern werden Attribute wie Kampfgeist, Durchsetzungsvermögen und Härte zugeschrieben – alles Eigenschaften die von vielen Menschen nicht mit Frauen in Verbindung gebracht werden können. Die Aussage «Du spielst doch wie ein Mädchen» impliziert so automatisch, das Mädchen / Frauen per se nicht so gut Fussballspielen können wie Knaben / Männer, was natürlich absoluter Quatsch ist. Neben diesen negativ behafteten weiblichen Attributen gibt es in Stadien aber auch ganz offen sexistische Sprüche, Aufkleber oder Banner welche sich zum Glück von selbst disqualifizieren.

Fokus Mann

Eine etwas subtilere Art der Diskriminierung ist die Fokussierung beim Fussball auf den Männersport. Klar ist Frauenfussball im Vergleich zur Ausübung von Männern eher neu, trotzdem rechtfertigt dass alleine noch nicht, weshalb Spielerinnen noch immer ein solch Schattendasein führen. Wird von der nächsten Fussball-Europameisterschaft gesprochen, ist es für alle klar, dass damit die Männer gemeint sind. Sonst würde es ja auch Frauenfussball-Europameisterschaft heissen. Diese explizite Betonung auf das Geschlecht ist bei anderen Sportarten längst nicht so extrem, wie im Fussball. Beim Fussball wird in erster Linie immer angenommen, es spielen Männer. Zudem haben Frauen im Fussball oft mit doppelten Standards zu kämpfen was bedeutetet, dass von ihnen zum Teil mehr erwartet wird (als von einem Mann) bis sie wirklich ernst genommen werden.

Sexistische Vermarktung

Fussball ist auch nur ein Produkt wie vieles andere, das verkauft werden muss. Die Marketingverantwortlichen der Vereine lassen sich daher immer wieder etwas Neues einfallen, um neue Umsatzgruppen anzusprechen. Oft fallen sie dabei in reaktionäre Stereotypen und/oder Rollenbilder – vor allem wenn die Zielgruppe Frauen sind. Ein «Frauentag» im Stadion beginnt dann häufig mit einem Glas Sekt und einer überreichten Blume in der Vereinsfarbe. Das hat dann nichts mehr damit zu tun, das «Stadionerlebnis» für Frauen und Mädchen attraktiver zu machen, sondern bedient sich nur plump an Klischees. Genau wie rosarote oder pinke Fan-Artikel, speziell für den weiblichen Fan. Gleichzeitig werben oft auch halbnackte Frauen, die dem gesellschaftlichen Schönheitsideal entsprechen, für das neue Mannschaftstrikot.

Es gäbe noch viele weitere Aspekte zu diesem Thema zu besprechen, aber auch mit diesem Flugblatt wollen wir lediglich ein erstes Mal zum Thema sensibilisieren und es soll als Denkanstoss für weitere Diskussionen und Überlegungen dienen.

Vielleicht werden in Zukunft mehr Frauen und Mädchen im Stadion neben uns stehen / sitzen und der/die ein/e oder andere besucht auch einmal ein Spiel des Frauenteams des FC Wohlen – ja, die gibt es nämlich auch! In diesem Sinne wünschen wir ein gutes Spiel und denken Sie künftig daran: Der 12. Mann kann auch eine Frau sein!

 

Wikipedia: Als Sexismus wird die auf das Geschlecht (lat. sexus) bezogene Diskriminierung bezeichnet. Unter dem Begriff werden Geschlechterstereotype, Affekte und Verhaltensweisen gefasst, die einen ungleichen sozialen Status von Frauen und Männern zur Folge haben oder darauf hinwirken.

Mit diesem Flugblatt möchten wir – Teilzeitfans Wohlen – auf diskriminierendes und ausschliessendes Verhalten sensibilisieren. Auch für uns ist das Stadion ein Ort der Emotionen, welche von Freude bis Frust reichen. So haben wir auch kein Problem damit, wenn diese Emotionen rausgelassen werden – sondern begrüssen dies sogar. So soll es auch Platz zum fluchen, schimpfen oder polten geben, aber bitte so, dass niemand diskriminiert wird. Denn wir wünschen uns, dass sich alle Menschen unabhängig von kulturellen, religiösen, sexuellen, geschlechtlichen Merkmalen in der Niedermatten wohlfühlen können. Wer sich ausführlicher mit Diskriminierung auseinandersetzen möchte, darf uns gerne kontaktieren oder uns auf unserer Tribüne – dem  «Gate Süd» – besuchen kommen.